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Ein neuer Förderschwerpunkt wo alles Richtung Inklusion drängt??

Ist ein neuer Förderschwerpunkt dem Ziel der Inklusion abträglich?


Wenn bei Inklusion (zumindest derzeit) also vor allem an die eher leicht zu integrierbaren "Fälle" gedacht wird, müssen bei allen, die für autistische Kinder verantwortlich sind, die Alarmglocken klingeln. Für einen autistischen Schüler reicht es nicht, mal eben ein paar Rampen oder einen Aufzug zu installieren. Konsequente Reduzierung der Klassen auf maximal 15 Kinder und umfassende Fortbildung des pädagogischen Personals sind schon eine ganz andere Hausnummer.

Aber was genau brauchen autistische Kinder für Rahmenbedingungen? Wie kann man ihnen begegnen, ihnen etwas beibringen?

Erst die konkrete Ausgestaltung dieses Förderschwerpunktes macht eine Inklusion autistischer Schüler in der Zukunft möglich. Denn Inklusion bedeutet, dass  sich die Schule dem Kind anpasst und nicht umgekehrt. Und dafür muss eine Schule genau wissen, an wen und wie sie sich anpassen muss.

Richtlinien, die genau das konkret erläutern liegen in den Schubladen des Schulministeriums!

Wie in den meisten anderen Bundesländern auch, ist Autismus in NRW kein eigener Förderschwerpunkt. Dass Autismus nur in wenigen Bundesländern den Status eines eigenen Förderschwerpunkts hat, ist in Anbetracht seiner Notwendigkeit völlig unverständlich. Die hohe Komplexität kann keine Entschuldigung dafür sein, sondern ist vielmehr ein weiterer deutlicher Hinweis, wie dringend nötig es ist, allen beteiligten Personen konkrete Hilfestellungen an die Hand zu geben. Als „Vorzeige-Ausnahme-Bundesland“ gilt hier Schleswig-Holstein, dass dieses Thema schon seit langer Zeit erfolgreich umsetzt und vom Europäischen Expertenrat auch lobend erwähnt wird.

Nichts anderes verfolgen wir mit der Forderung nach einem Förderschwerpunkt Autismus.
Es liest sich erst einmal gut, dass autistische Schüler die Wahl zwischen sämtlichen -inklusive aller Förder- Schulen haben. Doch in keinem Förderschwerpunkt sind sie richtig zu Hause. Da sie im Rahmen des AO-SF-Verfahren aber einem der existierenden Förderschwerpunkte zugeschrieben werden müssen, überlagert diese „Aushilfs“-Diagnose den eigentlichen Förderschwerpunkt Autismus.

Es ist wohl ähnlich zu betrachten, als wenn ein blindes Kind z. B. eine Schule für motorische Förderung besuchen würde: Es würde sicher auch von den kleineren Klassen, sonstigen Therapiemöglichkeiten vor Ort und der Tatsache, dass es keinen direkten Außenseiterstatus mehr hat, profitieren. Aber dadurch allein wird man seinen besonderen Bedürfnissen nicht gerecht und kann sein Potential nicht bestmöglich fördern. Es braucht spezielle Hilfen. Und diese brauchen autistische Schüler auch. So ist es absurd, das z. B. Blindheit bzw. hochgradige Sehbehinderung einen eigenen Förderschwerpunkt darstellt, Autismus aber nicht.

Je nach „angehängtem“ Förderschwerpunkt erschwert die „Zwangs-Doppeldiagnose“ die Situation für das Kind noch zusätzlich, vor allem wenn es Richtung Integration gehen soll. So würde rein inhaltlich der Förderschwerpunkt  „sozial-emotionaler Förderung“ wohl gut passen, aufgrund seines „Rufes“, eigentlich vor allem erziehungsschwierige Kinder aus sozial problematischem Umfeld zu beherbergen, mindert oft noch weiter die Bereitschaft von GU-Schulen, diese Kinder aufzunehmen.

Die betroffenen Sonderpädagogen müssen sich neben dem offiziellen Schul-Förderschwerpunkt auch immer noch parallel im Thema Autismus fit machen. Betrachtet man die aktuelle Lehreraus- und fortbildung ist das vor allem ihr selbstinitiiertes Privat“vergnügen“. Das darf nicht sein, das ist weder fair gegenüber den anvertrauten Kindern noch gegenüber ihren Pädagogen. Es ist an der Zeit, die bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich autistischen Denkens in die konkrete Praxis umzusetzen.
Für die o. g. Besonderheiten autistischer Schüler haben sich besondere Lehrinhalte und Lehrmethoden entwickelt . Das kann nur im Rahmen eines eigenen Förderschwerpunktes umfassend und mit dem notwendigen Nachdruck umgesetzt werden.


Mit Freude lese ich in den neuen Leitlinine zur Inklusion vom Dachverband autismus e.V., dass dort nun auch ein bundesweiter "Förderschwerpunkt Autismus" gefordert wird. Man darf gespannt sein, ob das an entscheidenden Stellen auf offene Ohren trifft!


... diese geforderten Rahmenbedingungen würden allen Kindern gut tun. Kleine Klassengröße, strukturierte Räumlichkeiten und Abläufe, Nutzung von Motivation und Verstärkung: Kurzum: Lehrer die hierin ausgebildet sind, sind ein Lottogewinn für jede (inklusive) Schule => Förderschwerpunkt Inklusion!!