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"Autism is both a disability and a difference. We need to find ways of alleviating the disability while respecting and valuing the difference."
Simon Baron-Cohen, 2001 in New Scientist

(Dieses Zitat nimmt Bezug auf die akutelle Diskussion, ob Autismus "nur" eine andere Form ist, die Welt wahrzunehmen ("Neurodiversität") und daher jegliche Form der Intervention zu unterlassen ist oder eine Behinderung die man entsprechend behandeln sollte. M.E. drückt das Zitat gut aus, dass beide Sichtweisen gleichzeitig berechtigt sind und beachtet werden müssen und je nach unterschiedlicher Ausprägung unterschiedliche Gewichtung haben.)

Diese aktuelle Meldung passt perfekt dazu: "Professor fordert Lebenshilfe statt Heilung": http://www.heise.de/tr/artikel/Meinung-Die-Autismus-Forschung-braucht-neue-Schwerpunkte-2506906.html


Auch 60 Jahre nach der ersten Beschreibung durch Leo Kanner sind viele Fragen noch nicht abschließend geklärt. Aber in letzten Jahren konnte die Wissenschaft einige Hintergründe aufdecken: Das Gehirn von Autisten ist anders vernetzt und unterscheidet sich in der Arbeitsweise in einigen Bereichen von neurotypischen Menschen. Dies hat eine mehr oder minder vollkommene andere Sicht auf die Welt und wie folgerichtig darauf reagiert wird, zur Konsequenz. Ihre Mitmenschen stehen oft fassungslos an ihrer Grenze vor dem herausfordernden autistischen Verhalten, dieses muss aber als Bewältigungs-Mechanismus an eine nicht autismus-angepasste Umgebung gedeutet werden. Typische Vorurteile, wie z.B. fehlende Emotionen aber auch geistige Retardierung sind oft Kennzeichen völlig verschiedener Kommunikationswelten. Im schlimmsten Falle hat ein autistisches Kind einen wachen Verstand, lebt aber in einem Körper, der es anderen schwermacht, dieses zu erkennen.
Das Wissen um die Ursachen, die diesen typischen Verhaltensweisen, wie Rückzug, Stereotypien und Zwänge, aggressives und autoaggressives Verhalten zugrunde liegen, ist eine unverzichtbare Voraussetzung für jedes (pädagogische) Handeln. 

Zu den vier hauptsächlichen Beinträchtigungsbereichen zählen:
  ·        Beeinträchtigung der Kommunikation
  ·        Beeinträchtigung der sozialen Beziehungen
  ·        Repetitives Verhalten und eingeschränkte Interessen
  ·        Sensorische Beeinträchtigung

Hieraus können sich Probleme in folgenden Bereichen ergeben:
 ·        Steuerung der Aufmerksamkeit
 ·        Reiz-/Informationsverarbeitung
 ·        Mangel an Zusammenhangsdenken(Kontextblindheit)
 ·        Handlungsplanung und –ausführung
 ·        Mangelnde Fähigkeit, zuhören zu können
 ·        Sensorische Überempfindlichkeit
 ·        Eingeschränktes Verstehen von sozialen Signalen (Empathie/Theory
          of Mind)  
 ·        Gegenständliches, wortwörtliches Denken
 ·        Ungewöhnliche Gedächtnisleistungen
 ·        Visuelle Fähigkeiten

Armes, einsames, trauriges Kind?

Nein, er genießt das menschenleere Wattenmeer total.


Autismus umfasst von der eher milden Ausprägung bis hin zur schwersten Beeinträchtigung die ganze Bandbreite. So kann die Schwere und Verteilung innerhalb der vier oben genannten Beeinträchtigungsbereiche von Kind zu Kind extrem unterschiedlich ausfallen. Des Weiteren vermuten Forscher noch eine größere Anzahl von noch derzeit nicht weiter erforschten „Untervarianten“. Daher sprechen Experten von einer Autismus-Spektrums-Störung (ASS) oder dem „Autismus-Kontinium“.


Laut dem Europäischen Expertenrat geht man inzwischen von einer Prävalenz für Autismus von 1:160 aus. Dass früher weit niedrigere Zahlen kommuniziert wurden, mag daran liegen, dass inzwischen eine größere Sensibilität für die Symptome besteht und viele Kinder in das ASS eingeordnet werden, die früher einfach nur z.B. als geistig behindert oder als verträumte Außenseiter galten. Da es in der Diagnostik noch viel zu optimieren gibt, dürfte die Anzahl noch weiter steigen (aktuell gibt es eine Meldung, dass Forscher aus Cambridge 1 : 64 annehmen) und damit auch die Relevanz für alle beteilgten Systeme.