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Wird über Inklusion diskutiert, ist der Ruf nach Abschaffung der Förderschulen nicht weit. Der Denkfehler dabei ist: Übrig bleiben dann REGELschulen und eben nicht automatisch inklusive Schulen. Letztere müssen gänzlich neu durchdacht werden. Um dafür zu sensibilisieren, wäre es viel ratsamer zu rufen: "Schafft die Regelschulen ab!!" Das hilft der notwendigen Fantasie deutlich besser auf die Sprünge :-) ....


"Das Wohl des Kindes steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den Wünschen und Vorstellungen der Eltern. Die können durchaus unterschiedlich sein. Eltern wollen sich nicht zwischen einer unzureichenden Förderung ihrer Kinder in der Regelschule und einer fachlich qualitfizierten sonderpädagogischen Förderung in einer separierenden Sonderschule entscheiden. Eltern möchten sich füre eine optimale Förderung unter nichtaussondernden Bedingungen entscheiden können." (Quelle: Aribert Reimann/Nobert Müller-Fehling: Eine neue Schle für alle in DAS BAND (Zeitschrift des www.bvkm.de))

Weiteres Pro-und Kontramaterial aus dem Netz: http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/sonderschulenstreit100.html


Davon träumen doch schon seit Jahren viele betroffene Eltern.
Hier finden Sie das neue "inklusive" Schulgesetz: http://www.schulministerium.nrw.de/docs/Schulsystem/Inklusion/Auf_dem_Weg_zum_inklusiven_Schulsystem.pdf  und die Finanzierung scheint auch -in letzter Minute- gesichert zu sein.

Doch sind wir schon am Ziel unserer Träume? Oder bleibt doch vieles noch ein großes Fragezeichen, wie hier sichtbar: http://www.derwesten.de/politik/die-inklusion-kommt-aber-wie-soll-das-bitte-funktionieren-id9229686.html

Ein Rechtsanspruch mit Einschränkungen. Wie wird es ausehen, in ca. fünf Jahren, wenn alle 10 Jahrgänge einmal "durchinklusioniert" wurden?
Es bleibt spannend, Holzauge bleib wachsam!


Noch steckt die "inklusive Idee" in den Kinderschuhen. Es gibt vereinzelt Schulprojekte die zeigen, wie toll diese Welt aussehen kann. Dem gegenüber stehen noch unendlich viele Regelschulen, die selber erst einmal jemaden brauchen, der sie an die Hand nimmt, bevor sie einen hilfebedürftigen Menschen an die Hand nehmen können!
Auf zieldifferenten Unterricht sind die wenigsten Regelschulen eingestellt. Sie sind es ja auch nicht gewohnt, werden derzeit GU-Kinder meist unter der Vorgabe aufgenommen, dass sie (zumindest annähernd) zielgleich unterrichtet werden können. Aber es geht ja nicht nur darum, unterschiedliche Ziele zu definieren. Man muss auch die Methoden kennen und anwenden können, um schlussendlich auch diese unterschiedlichen Zielen zu erreichen.


In dieser frühen Phase, wo Inklusion und Integration noch gerne durch einander gebracht werden, muss man sensibel sein, dass nicht früh Weichen gestellte werden, die dem Grundgedanken der Inklusion zuwider laufen.
Es besteht die Gefahr, dass sich mitten zwischen den behinderten Kindern ein tiefer (elitärer) Graben auftut: Auf der einen Seite die Kinder, die -zumindest mit nicht allzu großem Aufwand- auch auf eine Regelschule gehen könnten, wenn man sie denn ließe. Auf der anderen Seite sind die Kinder, die man "nicht mal eben" umhängen kann: Schwerstmehrfach behinderte Kinder mit hohem Pflegebedarf oder z. B. stark verhaltensauffällige Kinder. Zu letzteren zählen ja auch oft Kinder mit frühkindlichem Autismus. Wobei dieses Verhalten als eine Reaktion auf eine nicht autismusangepasste Umwelt interpretiert werden muss. Und diese nicht angepasste Umwelt trifft man leider auch noch häufig bei Förderschulen, wenn auch in einigen Aspekten abgemildert (wie z. B. kleinere Klassengröße).
Echte Inklusion nimmt beide Seiten mit! Damit keine "Resteschulen als Verwahranstalten" übrig bleiben oder gar die Schulpflicht für "solche" Kinder ganz abgeschafft wird, wie es einigen Ländern die der Inklusion so gelobt werden durchaus der Fall ist.
Und das kann man den Eltern nicht verachten, dass sie dieses Szenario extrem beunruhigt! Diese Ängste muss man sich bewusst machen, um nicht vorschnell zu urteilen, nach dem Motto "Befürworter der Förderschulen sind Befürworter von Exklusion"!!


Natürlich ist Autismus ein ganz weites Spektrum, und für Kinder, die leichter betroffen sind, ist GU schon seid einiger Zeit eine Möglichkeit, am Regelschulleben teilzunehmen. Wenn Schulleitung, Lehrer und Mitschüler (und deren Eltern) da verständnisvoll mitziehen kann das sogar richtig gut laufen. 
Aber in diesem Artikel soll es explizit um Inklusion gehen, und das würde das gesamte Spektrum umfassen, auch die schwerer  und Schwerstbetroffenen.

Für diese Kinder sind die heutigen GU-Rahmenbedingungen noch nicht hilfreich genug, sie müssen wirklich auf vollständige, konsequent umgesetzte Inklusion hoffen, wollen sie auch am Regelschulsystem teilnehmen. Nur, bei vollständiger Inklusion gäbe es eigentlich gar kein Regelschulsystem mehr, weil es auch kein Förderschulsystem mehr gäbe, von dem es sich abgrenzen könnte.

Um es auf den Punkt zu bringen: Natürlich ist Inklusion erst einmal eine Sache der inneren Haltung eines Schulsystems. Und der beteiligten Elternschar. Aber dann ist es ganz pragmatisch (und leider wenig sexy) eine Sache von Geld investieren: In personelle, organisatorische und räumliche Rahmenbedingungen, die so an den meisten Regelschulen einfach noch nicht gegeben sind.


... in Bonn! Was genau, kann man hier nachlesen.

Das liest sich doch grundsätzlich gar nicht schlecht. Hoch anzurechnen ist dem Schreiben, dass erkannt wurde, dass es auch Geld kosten wird (neben einer Änderung der Einstellungen im Haupt und Herzen). Hoffentlich ist auch jemand beim Aktionsbündnis dabei, der die unten aufgeführten Bedürfnise mit kühlem Kopf (und warmen Herzen ;o) entsprechend vertritt. Bei Bedarf stehen wir gerne zur Verfügung!
Es bleibt spannend!


... denn da dürfen nicht alle mitmachen :o(

Der Klassiker: Eine (inklusive) Schule für alle. Wie viele Eltern von behinderten Kindern würden hier nicht sofort "Ja!" schreien!
Wie weit dieser Traum allerdings noch entfernt ist merkt man daran, dass man eine Broschüre empfielt, die den Weg zum GU (Gemeinsamen Unterricht) weist.
GU hat NICHTS mit Inklusion zu tun. Die Rahmenbedingungen bleiben die gleichen schlechten (z. B. Klassengröße).


Es geht in diesem Artikel nicht darum, das derzeitige Förderschulsystem zu zementieren. Es geht auch nicht darum, zu sagen: Förderschule wäre grundsätzlich besser als GU oder eben genau umgekehrt. (Das zu entscheiden, sollte vor allem bei den Eltern liegen, die diese ganz individuelle Entscheidung treffen müssen!!).
Es geht darum, auf die Gefahren hinzuweisen, wenn auf dem Weg zur Inklusion:

  • missachtet wird, dass noch einen langer Prozess nötig sein wird, eine Transformation aller Schulformen und das während dieser Transformation weiterhin Verantwortung für  alle Schüler besteht, ihre bestmögliche Lernsitutation vorzufinden
  • zu wenig reflektiert wird, was Heterogenität wirklich bedeutet (bei allen Behinderungsformen im Allgemeinen, und bei Autismus noch einmal im Besonderem...)
  • Inklusion so verstanden wird, dass man bei den Förderschulen zwar einsparen kann, aber nichts bei den derzeitigen Regelschulen investieren müsste


Diese Seite soll kein Loblied auf die Förderschulen darstellen. Auch hier gibt es noch viel Verbesserungspotential. Genannt seien hier stellvertretend zwei Themen wie "Behinderung und Leistung" dürfen nicht als sich widersprechende Begriffe interpretiert und gelebt werden (Fehlinterpretation des Konzepts "Schonraum") und "Ferienbetreuung".... . Schön wäre es, wenn sich auf dem langen Transformationsprozess auch die Förderschulen selbstkritisch durchleuchten. Sie werden es müssen, wollen sie nicht das Szenario der "Resteschule" begünstigen.