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Nein, wir wollen nicht die Mathelehrer arbeitslos machen. Das wäre ja schon allein deshalb schade, weil nicht wenige autistische Schüler eine besondere Vorliebe für Mathe haben (Zahlen sind so schön strukturiert :o)).

Aber wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es bei autistischen Schülern noch weiterer Hauptfächer bedarf, damit sie später im Leben überhaupt von ihren Mathekenntnissen profitieren können.


Was immer es auch für (gute?!) Gründe geben mag, dass es so gut wie keine eigenen Schulen oder eigenen Klassen für autistische Schüler in Deutschland gibt, eines sollte den autistischen Schülern nicht verwehrt bleiben: Ihr eigenes Unterrichtsfach. Sein Inhalt ist Vorausetzung, den Inhalt aller anderne Fächer überhaupt erst nutzbar zu machen, um im Schul- wie im Alltagsleben überhaupt bestehen zu können.

Es gibt bereits einige Schulen, die damit hervorragende Erfahrungen gemacht haben, so u. a. auch Frau Küpperfahrenberg (Autismusbeauftragte für das Land NRW) in Ihrer Schule!
Diese positiven Erkenntnisse sollten standartisiert und allen betroffenen Schulen zugänglich gemacht werden!

Was nützt es mir, wenn mein Matheverständnis dafür reicht, ein paar Brötchen käuflich zu erwerben, ich aber gar nicht bis zur Verkäuferin an der Brötchentheke vorstoßen kann, weil mir alle Prozessschritte bis dahin -die neben Handlungskompetenz auch mit viel mitmenschlicher Kommunikation zu tun haben- nicht geläufig sind.

Schon die eigene Muttersprache ist für viele Autisten ihre erste Fremdsprache.
Als weiteres "Fremdkommunikations-Fach" müsste "die unbekannte Welt des sozialen Miteinanders" auf dem Stundenplan stehen.

Kontakt aufnehmen, Auf-einander-zugehen, adäquate Äußerung von Wünschen und Bedürfnissen, Interaktion mit anderen Kindern, ... . Jegliche Form von sozialer Interaktion, womit wir zwangsläufig wieder beim großen Oberthema Kommunikation landen.
All diese Fächer findet man auf keinem Stundenplan, weil sie für "normale" Kinder selbstverständlich sind.

Weitere Themen die sich im Curriculum wiederfinden müssen: Wahrnehmung, Motorik, Handlungskompetenzen in den Bereichen Selbstständigkeit, Selbstwahrnehmung und Selbstbehauptung,... .


Sozialtraining für Kinder mit Asperger-Autismus in der Pubertät hat sich inzwischen schon recht weit durchgesetzt. Doch alle, die jünger sind und/oder nicht eine ganz so "fitte" Autismusvariante leben, fallen hier hinten runter.
Das ist aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht besonders clever. Warum erst mit dem "Gefühltstraining" anfangen, wenn man bereits mitten in der Pubertät steckt? Wäre es nicht besser, seine eigenen und die fremden Gefühle bereits im Vorfeld besser einschätzen und mitteilen zu können?
Warum nicht schon Sozialtraining für Kindergartenkinder? Warum nicht Sozialtraining für das gesamte Autismus-Spektrum?
Besser in den "Anfang" investieren, als hinterher versuchen retten zu müssen, was ggf. schon schief gegangen ist.... !


Alle Schüler, die das soziale Miteinander -aus welchen Gründen auch immer- nicht "im Vorbeigehen" erworben haben, werden von diesen "Zusatzfächern" profitieren!
Egal welche Schulform, ich bin überzeugt, dass sich mehrere "Sparing-Partner" finden lassen.

PS Eine Schule, die bereits erkannt hat, dass es sowohl besonderer Fächer, wie auch besonderer Lehrmethoden bedarf, ist die Heinrich-Böll-Schule in Frechen. Sie haben auf ihrer Website auch ihr Konzept hinterlegt, das ich für äußerst spannend und vielversprechend halte!