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In NRW verteilten sich im Schuljahr 2007/2008 rund 2.826.160 Schüler auf ca. 6325 Schulen. Bei der erwähnten Prävalenz von 1:160 muss man davon ausgehen, dass sich rund 17.500 Schüler aus dem autistischen Spektrum auf die Schulen in NRW verteilen (offizielle Zahlen werden nicht erhoben). Dabei findet man derzeit Schüler mit frühkindlichem Autismus ganz überwiegend auf den Förderschulen, während leichter betroffene Schüler auch auf allen Regelschulformen vertreten sind. Laut einer Studie von Kathrin Köllner aus dem Jahr 2004 besuchen rund 77 Prozent der Asperger Regelschulen. Rund 90 Prozent der Frühkindlichen Autisten besuchen eine Förderschule. 


Inwieweit werden die beiden Schultypen Förderschule und Regelschule im Vergleich den autismustypischen Bedürfnissen gerecht:

Notwendige Rahmenbedingungen:Beschulung auf Förderschule:Beschulung auf Regelschule:
1. Kleine Klassengröße++--
2. Rückzugsmöglichkeiten+--
3. Speziell auf die o. g. autistischen Bedürfnisse ausgerichtete PädagogikO--
4. Angebot von Spezialfächern bzgl. o. g. autistischer Beeinträchtigungen----
5.  Kein Außenseiterstatus/ Reduzierung der Mobbinggefahr innerhalb der Schule++/--, je nach Förderschwerpunkt der besuchten Schule--
6. Kein Außenseiterstatus im direkten Lebensumfeld außerhalb der Schule--o
5. Modelllernen an Regelkindern-++
6. Wohnortnähe--++
7. Vernetzung mit anderen InstitutionenO--
8. Angebot an begleitenden Therapien++/+ je nach Förderschwerpunkt der besuchten Schule--

Legende: ++ => optimal gegeben;    + => eher gegeben; o => teils- teils                  - => eher nicht gegeben; -- => gar nicht gegeben;

Wichtige Anmerkung: Die Tabelle kann zur Verdeutlichung nur eine generelle Betrachtung der typischen Umstände darstellen. Und wird damit natürlich nicht den bereits erwähnten großartigen Engagements von einzelnen Lehrern und/oder Schulen gerecht.   

Fazit bezüglich der bestehenden Schulformen:

Beiden Schulformen fehlt die notwendige konsequente autistische Spezifizierung in der Didaktik und dem Curriculum. In der Summe der Gegebenheiten sind die Förderschulen wohl im Vorteil, wobei die politische Großwetterlage (Inklusion) zukünftig eher Richtung Regelschulen schauen wird.
Wahrscheinlich ist, dass in den kommenden Jahren zwar immer mehr „leichter integrationsfähige“ Schüler Richtung Regelschule abwandern. Hierzu werden wahrscheinlich vor allem Schüler aus dem oberen Bereich des Autismusspektrums zählen, weiterhin weniger die stärker beeinträchtigten (frühkindlichen) Autisten.
Hierfür scheint die integrative Gesamtschule noch am besten abzuschneiden.

Ohne die Möglichkeit zur Qualifizierung und dem Willen, dem konkret vor Ort gerecht zu werden, bleibt die Beschulung von Autisten –egal ob auf einer (integrativen) Regel- oder Förderschule, oft uneffektives Stückwerk, zum Leidwesen aller Beteiligten.


Die 10-13 Schuljahre stellen die Weichen für das gesamte spätere Leben. Keiner wird von sich selbst behaupten, seine autistischen Schüler bloß verwahrt zu haben, aber setzen alle konsequent den Anspruch um, das notwendige Handwerkszeug für ein im Rahmen der Möglichkeiten eigenständiges Leben mitzugeben? Und auch wenn bei schwerer betroffenen Schülern hier nicht die sonst nach der Schullaufbahn übliche Frage nach Studium oder Lehre ansteht, sondern Heimunterbringung oder betreutes Wohnen, sind diese Weichen vielleicht noch wesentlich existentieller.

Wie schreibt Barbara Sommer, Bildungs-Ministerin NRW dazu: „Schulische Förderung ist kein Selbstzweck. Sie hat das Ziel, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, also auch auf das Leben nach der Schule vorzubereiten. Daran müssen sich alle Bildungsprozesse nicht nur im Rahmen der Sonderpädagogischen Förderung messen lassen.“

An dieser Stelle sollte man darauf hinweisen, dass gerade bei Schülern aus dem autistischen Spektrum auch nicht selten die Frage gestellt wird, ob er überhaupt eine Schule besuchen darf, oder ob die Rahmenbedingungen nicht einmal dazu ausreichen!!